Zwei Stunden lang nutzten zahlreiche RUNDSCHAU-Leser kürzlich die Gelegenheit, den Gesundheitsexperten vom Klinikum Niederlausitz ihre Fragen beim Telefonforum zum Thema „Psychische Erkrankungen“ zu stellen.

Einige ausgesuchte Fragen, die Dr. med. Karsten Wolff (Chefarzt im Zentrum für Psychosoziale Gesundheit (ZfPG), Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Facharzt für Psychosomatische Medizin) und Dr. med. Larissa de la Fontaine (Leitende Oberärztin im Zentrum für Psychosoziale Gesundheit (ZfPG), Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie) beantworteten, lesen Sie heute und am Montag.

Wie erkenne ich eine etwaige seelische Störung und wann sollte ich mir professionelle Hilfe holen?

Vielleicht können Sie sich nicht mehr so gut konzentrieren, es läuft auf der Arbeit nicht mehr wie früher. Oder Sie haben keinen Appetit, können schlecht schlafen und Ihre Gedanken drehen sich ständig im Kreis, weil Sie nur noch grübeln. Versucht haben Sie schon so einiges – Sport treiben, gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf. Aber nichts hilft. Ganz im Gegenteil – die Symptome beeinträchtigen spürbar Ihren Alltag. Wenn es Ihnen so geht und die Beschwerden in geballter Form länger als 14 Tage auftreten, sollten Sie sich am besten direkt Hilfe bei einem Facharzt holen, um eine mögliche psychische Erkrankung nicht zu verschleppen. Denn je eher eine solche diagnostiziert und begleitet wird, desto höher sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.

Wie verhalte ich mich als Angehöriger, wenn ich bei einem Menschen seelische Probleme vermute?

Angehörige, Freunde und Bekannte sollten keinesfalls wegsehen, sondern etwaige Probleme direkt ansprechen und dem Betroffenen Hilfe anbieten, ohne Druck aufzubauen. Dabei müssen Sie sich aber auch eigene Grenzen setzen. Die Voraussetzung einer erfolgreichen Behandlung ist nämlich die Akzeptanz des Betroffenen und die Bereitschaft zu einer Behandlung. Fehlt diese und man kommt als Angehöriger selbst mit der Situation nicht mehr klar, können Sie sich natürlich auch durch Psychiater und Psychologen auf dem oft schweren Weg begleiten lassen. Denn das Wichtigste ist, dass man als Angehöriger selbst stabil bleibt und nur somit eine Stütze sein kann.

Welche Behandlungsformen bietet die heutige Psychiatrie?

Sie gliedert sich in drei große Schwerpunkte. Erstens: die psychotherapeutische Betreuung durch unterstützende Gespräche. Zweitens: die psychopharmazeutische Behandlung mit Medikamenten. Drittens: die sozialmedizinische Betreuung, in der Betroffene und Angehörige in sozialen Problemen beraten  werden.
Bei uns im Zentrum für Psychosoziale Gesundheit (ZfPG) bieten wir entsprechend einer modernen psychiatrischen Versorgung darüber hinaus noch weitere Therapieformen wie Kreativtherapie (u.a. Ergotherapie und Musiktherapie), Aromatherapie, Lichttherapie u.v.m. an. Je nach Schweregrad der Erkrankung betreuen wir ambulant, in der Tagesklinik oder vollstationär.

Wann und wie kommen Psychopharmaka zum Einsatz? Und wie wirken sie?

Bevor Psychopharmaka zum Einsatz kommen, wird der Betroffene natürlich umfassend untersucht. Dazu zählen u.a. Laboruntersuchungen, EKG und Untersuchungen des Kopfes. Anhand der Ergebnisse und der individuellen Faktoren wie z.B. Alter und Geschlecht kommen dann bei mittelschweren bis schweren Erkrankungen wie z.B. Depression, Psychosen oder Demenz Psychopharmaka zum Einsatz. Moderne Psychopharmaka machen nicht abhängig, sind nicht wesensverändernd und haben bei professioneller Verordnung nur wenige bis keine Nebenwirkungen. Die rechtzeitige medikamentöse Behandlung ist jedoch nach Nutzen-Risiko-Abwägung besser, als die Krankheit nicht zu behandeln und damit eine Chronifizierung und langfristige Schädigungen zu riskieren.

KONTAKTE

Zentrum für Psychosoziale Gesundheit (ZfPG)
Psychiatrische Institutsambulanz (PIA)
Senftenberg, Krankenhausstr. 13
Tel.: 03573 / 75 3090

Einweisertelefon (Frau Lutz) für Patienten, Angehörige und Ärzte zur Organisation der stationären Aufnahme von Betroffenen
Tel.: 03573 / 75 3057

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Regelmäßig beantworten Dr. med. Karsten Wolffund Dr. med. Larissa de la Fontaine ausgesuchte Fragen. Diese werden – natürlich ohne Namensnennung – auf dieser Internetseite veröffentlicht.

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