Tja, es sind schon sehr beschwerliche Zeiten unterwegs, was? Nicht nur ich denke das, auch die Mehrheit meiner Klasse ist dieser Meinung. Zu Hause bleiben, unmotivierter sein, jeden Tag dieselben Gesichter der Familienmitglieder sehen und dazu noch sich den ganzen Schulstoff versuchen anzueignen. Das alles ist nicht leicht und dennoch stehen wir mehr oder weniger jeden Tag auf und stemmen den Alltag. Ich, bzw. auch viele aus meiner Klasse, sind der Meinung, dass wir jedoch viel besser lernen können und den Stoff besser und schneller verstehen. Wir können uns die Zeit allein einteilen so weit wie es geht, können Pausen einlegen, wann wir wollen und in dem Tempo arbeiten, wie wir es gerade brauchen. Ja, es ist leichter, aber ist es trotzdem besser, als in der Schule zu sein? Als wir vor den Osterferien eine Woche wieder in der Schule waren, haben wir in vielen Stunden mit den jeweiligen Lehrern darüber gesprochen, wie es uns denn ergangen ist und wie wir zurechtkommen mit der gerade herrschenden Situation. In meinen Augen war jeder dafür, dass es besser wäre, weiter zu Hause zu bleiben, dass es leichter ist und ich war so ziemlich die Einzige, die auf der Gegenseite stand. Ja klar, es ist auch für mich viel leichter den Stoff zu verstehen und ich teile mir die Fächer am Tag so ein, wie ich es brauchte und was ich wann machen wollte, aber dennoch muss ich einfach wieder zur Schule. Es ist Teil unseres Lebens und dort sind die Lehrer vor Ort und können uns den Stoff viel besser erklären. Gut, bei manchen Lehrern versteht man es nicht sofort, was wir eigentlich gerade für ein Thema haben, aber trotzdem ist es, jedenfalls für mich, besser, von den Lehrern unterrichtet zu werden, als zu Hause es sich selbst bei zu bringen. Zudem knüpft man in der Schule soziale Kontakte und kann mit Freunden viel reden und einfach Spaß haben.

Wenn ich so drüber nachdenke, bin ich der Pandemie auch sehr dankbar. Covid-19 hat Freundschaften getestet und mir gezeigt, wer in schwierigen Situationen bleibt und wer nicht. Freundschaften sind in die Brüche gegangen, andere wiederum sind tiefer geworden. Das zeigt mir, wer in den schlimmsten Situationen bei mir bleiben würde und mit mir kämpfen wird. Noch viel mehr gelernt habe ich, dass Freunde kommen und gehen, aber Familie, die bleibt für immer. Komme was wolle. Ich denke, ich spreche im Namen vieler Personen, wenn ich sage, dass wir durch Covid-19 erkennen konnten, wer wir selber auch eigentlich sind und haben Neues über uns entdeckt. Bei mir z.B. hat sich die Verbindung zwischen mir und meiner Mama sehr gestärkt und mir gezeigt, dass wir die schlimmsten Tiefen überwinden könnten. Über mich habe ich gelernt, dass ich so, wie ich bin, von anderen geliebt werde und anfangen muss, mich selbst auch mal lieben zu können. Ich denke, viele haben durch die Pandemie gelernt, selbstbewusster zu werden. Das sehe ich bei Freunden von mir, bei Verwandten und auch bei mir selber.

Ja, Corona ist nicht leicht und bringt uns bis an unsere Grenzen, aber etwas Positives hat es dennoch. Ich bin in letzter Zeit auch sehr froh, mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen und habe oft das Handy aus. Wenn man weg von den Medien ist, kann man sich viel besser auf die Schule konzentrieren und Hobbys entdecken. Ich, zum Beispiel, bin viel freier, wenn das Handy aus ist und kann mich voll und ganz auf das Schreiben meines Buches konzentrieren. Das verdanke ich zum Teil auch Covid-19, denn ich habe viel mehr Freizeit und der Schulstress flaut ein bisschen ab. Wir alle sind nicht mehr so heftig gedrängt, alles in unseren Kopf zu zwängen und „wir müssen, wir müssen, wir müssen“. Meine Mama meinte, als sie noch zur Schule ging, war das Lernen etc. viel entspannter und lustiger. Durch Covid-19 kann ich ein wenig verstehen und nachvollziehen, was sie meinte, denn die Zeit, in der wir unsere erledigten Aufgaben abschicken sollen, ist sehr weitläufig und bietet uns die Chance, hin und wieder aufatmen zu können. Ich erinnere mich noch an die Zeit, in der ich Texte über meine Gefühle geschrieben hatte. Allesamt waren sie negativ. Dies hat sich geändert und ich schreibe nur noch positive Texte und Gedichte.

Was ich damit sagen will, ist, dass egal wie schwer Corona auch ist, es hat uns allen gezeigt, wie stark wir sind und dass sich Dinge ändern konnten, wenn wir es nur zulassen. Denn das Leben geht weiter. Meine Klasse hatte so gut wie keinen Zusammenhalt, aber ich bin ehrlich: in diesen gerade herrschenden Zeiten haben wir uns viel mehr gegenseitig geholfen und gemerkt, dass wir alle zusammenhalten mussten, damit niemand über Bord fiele. Sei es auch nur mal schnell Lösungen für eine Aufgabe schicken oder erklären, wie denn die eine oder andere Rechnung geht. Wir haben gemerkt, dass wir nicht allein auf der Welt sind und andere unsere Hilfe brauchten. Durch die schwere Zeit sind wir noch mehr zusammengeschweißt worden und tolerieren uns viel mehr. Ich bin jedenfalls dieser Meinung.

Zu diesem Anlass würde ich im Namen aller auch nochmal danke sagen an unsere Lehrer, die uns trotz der Umstände zur Seite standen und so weit, wie es nur ging, abrufbar waren. Wer auch immer das hier alles liest, muss wohl denken, ich bin der Oberstreber und schleime mich bei allen ein, aber dem ist nicht so, denn ich meine alles Geschriebene hier ernst. Ich hoffe, dass bald leichtere Zeiten eintreffen werden und wir unser Leben wieder normal leben können. Naja, was war denn schon normal?

Foto: Giuseppe Elio Cammarata/Shutterstock

Jara Lehmann; Klasse 8 am Pestalozzi-Gymnasium Guben; Teilnahme am Projekt ZiSCH vom 12.04.-07.05.2021, Beitrag vom 07.05.2021