Herr Winter ist seit über 30 Jahren Jäger und hat seit 1995 das Waldstück an der Grube Clara III gepachtet. Heute hatte ich die Möglichkeit, den erfahrenen Jäger zum Wolf in der Lausitz zu befragen.

Herr Winter, was können Sie mir zum Wolf in der Lausitz und bei Ihnen im Waldgrundstück erzählen?

Der Wolf steht in Deutschland unter Naturschutz. Derzeit gibt es ca. 300 Wölfe in der Lausitz (stand 2019). Vor 15 bis 20 Jahren sind die ersten aus Polen in die Lausitz gekommen und haben sich mittlerweile über fast ganz Deutschland ausgebreitet. Aktuell werden jährlich ca. 6 Millionen Euro für den Wolf vom Land Brandenburg und Sachsen ausgegeben. Kein anderes Tier im Wald bekommt derzeit solch eine Unterstützung.

Herr Winter sagt aber auch offen, dass der Lebensraum für den Wolf in der heutigen Zeit nicht mehr geeignet ist. Vor 100 Jahren, als der letzte Wolf in der Lausitz geschossen wurde, war dies anders. Mittlerweile hat sich die Bevölkerungsdichte verdreifacht und auch die landwirtschaftliche Nutzung hat zugenommen.

Wie jagt der Wolf?  

Der Wolf jagt im Rudel (4-5 Tiere), aber auch als Einzelgänger. Unter schweren Bedingungen, wie eine hohe Schneedecke im Winter, kann ein Jagdrudel auch aus 15-20 Wölfen bestehen, da dann die Erfolgschancen viel höher sind als beim Einzeljäger. Er frisst bevorzugt Rehwild, aber auch Hasen und junge Wildschweine. Ein Wolf benötigt ca. 3 Kilogramm Fleisch pro Tag, damit er gesund bleibt.

 Herr Winter, welche Wegstrecke kann der Wolf am Tag zurücklegen?

Der Wolf läuft am Abend ca. 50 bis 80 Kilometer!  Das ist ein sehr großer Aktionsradios, über viele Dörfer und Städte. Diese Umtriebigkeit liegt in der Natur des Wolfes, das braucht er, um frisch zu bleiben. Auch dies ist ein Grund, warum der Lebensraum für den Wolf heutzutage bei uns im Land ungeeignet ist.

Zum Schluss meines Interviews möchte ich noch von dem Jäger wissen, ob der Wolf für den Menschen gefährlich ist?

Am Rande des Waldstückes an der Grube Clara III führen einige Radwege entlang. Oft wird Herr Winter von Fahrradfahrern gefragt, ob der Wolf auch den Menschen anfallen würde. Prinzipiell hat der Wolf vor dem Menschen Angst, sagt mir der Jäger. Aber sobald der Wolf einen Fahrradfahrer entdeckt und dieser dann noch versucht, panisch auf dem Rad davonzufahren, ist die Gefahr groß. Der Wolf könnte nun denken, dass der Radfahrer ein Beutetier sei und würde diesen verfolgen. Herr Winter rät jedem in solch einer Situation, die Ruhe zu bewahren, vom Rad zu steigen und stehen zu bleiben. Wer eine Klingel am Fahrrad hat, kann diese benutzen, was den Wolf sicher verunsichert und er das Weite suchen würde.

Vor einiger Zeit hat der Jäger selbst eine Begegnung mit drei Wölfen in seinem Revier gehabt, die in einem Abstand von 10 Meter an ihm vorbeigezogen sind. Wahrscheinlich sind diese gerade vom Fressen gekommen und hatten somit null Aufmerksamkeit für den Jäger. Ich denke, jeder Mensch ist gut beraten, dem Wolf nicht mit Angst, aber mit Respekt zu begegnen.

Foto: privat

Luis Arnold; Klasse 9c des Lessing-Gymnasiums in Hoyerswerda; Teilnahme am Projekt ZiSCH vom 06.01.-31.01.2020